"Kind, zieh die Mütze an, mich friert es!"

„Kind, zieh Dich an! Mich friert es!“

Ich sag nur: Die Mama zieht die Mütze auf, das Baby zieht sie wieder runter. Der Papa zieht sie wieder auf, Baby schnell runter vom Kopf und ab auf den Boden. So geht das Spielchen eine gefühlte Ewigkeit. Mama genervt, Papa genervt, Baby lacht. Was wenn es draußen doch „saukalt“ ist und ich selbst schon zittere, wenn ich nur daran denke? Muss es meinem Baby nicht genauso kalt sein wie mir? Wie praktisch, dass es doch die Mützchen mit den Bändern gibt. Ab auf den Kopf, schnell eine Schleife ran und einmal streng: „Die Mütze bleibt jetzt auf und basta.“

 

Die Frage ist doch die, ist es meinem Zwergle genau so kalt wie mir? Handelt es sich um ein Spiel? Oder gar um einen Machtkampf? Wer wird ihn gewinnen, diesen Machtkampf? Braucht es diesen überhaupt?

 

Partizipation beginnt im Kopf der Eltern, das hat die liebe Fanny Oberrieder-Christin heute beim Bauch- & Babyzwerg zum Thema Partizipation gesagt. Es geht also darum, zu schauen ob es meinem Zwergle wirklich kalt ist, oder ob ich mir dessen nur sicher bin, weil es mir so kalt ist. Stülpe ich mein Wärme- und Kälteempfinden meinem Kind vielleicht nur über?

 

Aber warum das Ganze? Eigentlich möchte ich mein Kind doch nur schützen. Ich möchte nur Gutes und verhindern, dass ihm etwas passiert. Ich möchte, dass mein Kind gesund bleibt, dass es sich keine Erkältung einfängt. Was einem selbst oft nicht klar ist, ist dass man dadurch verhindert, dass das Kind eigene Erfahrungen machen kann. Es kann ja gar nicht merken, dass ihm vielleicht ohne Mütze kalt wird, da sie ihm immer wieder aufgesetzt wird. Fanny ist an dieser Stelle darauf eingegangen, dass es super wichtig ist, dass die Zwerge die Erfahrung machen dürfen, dass wenn sie nein sagen, dieses nein auch gehört wird. Wir alle wollen Kinder, die sich auch später trauen nein zu sagen. Kinder, die es nicht über sich ergehen lassen, wenn jemand, der es vielleicht nicht so gut mit ihnen meint, etwas von ihnen erwartet, was nicht angemessen ist. Es geht also um weit mehr, als die Mütze, die nicht auf dem Kopf bleiben will.

 

Wie kann uns Eltern dies gelingen? Vertrauen! Ein Vertrauen darauf, dass das Zwergle merkt, wenn ihm kalt wird. Ein Vertrauen, dass die Mütze auf dem Kopf bleibt, wenn es dem Kind kalt wird! Auch wenn das vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt ist, wie ich das für notwendig erachte. Unsere Aufgabe ist es, ganz nah am Kind zu sein, zu beobachten, zu spüren, zu kommunizieren. „Mir ist kalt, ich ziehe mir meine Mütze an“. „Ich setze Dir die Mütze auf“ „ich nehme eine Mütze mit, falls es Dir später kalt wird“. Wenn das Kind dies nicht akzeptiert gilt es herauszufinden, was dahinterstecken könnte. Vielleicht ist es dem Zwerg warm! Vielleicht möchte der Zwerg selber entscheiden wann die Mütze auf den Kopf kommt und wann nicht! Vielleicht kratzt die Wollmütze und ist dem Zwerg super unangenehm! Vielleicht weiß der Zwerg nicht, dass es draußen kalt ist, es ist ja noch in der warmen Wohnung! Vielleicht gibt es noch viele weitere „Vielleichts“!

 

Partizipation bedeutet nicht, dass das Kind alles entscheidet. Es geht darum, dass das Kind über seinen eigenen Körper entscheiden darf: Kälte- und Wärmeempfinden / bin ich hungrig, durstig oder nichts von beidem / wie viel Nähe und Distanz möchte ich zu einer Person haben. Jesper Juul sagt hierzu, dass das Kind in diesen Bereichen von Anfang an in der Lage ist, Selbstbestimmt zu entscheiden. Um die jeweiligen Bedürfnisse dann auch umzusetzen, braucht es die Bindungspersonen, die das Zwergle gut beobachten und für die Bedürfnisse stellvertretend einstehen:

 

Das Baby zeigt Dir, dass es nicht zur Oma mag? Dann sorge dafür, dass es bei Dir bleiben kann!

 

Das Zwergle dreht den Kopf weg, wenn es keinen Brei mehr möchte? Dann sorge dafür, dass es nicht weiteressen muss! Es braucht keine Löffelchen für die Oma, der die Sonne mehr scheinen lässt.

 

Das Zwergle kann nicht im Hochstuhl sitzend essen? Dann sorge dafür, dass es nicht dazu gezwungen wird! Was spricht gegen ein Picknick am Boden. Ach ja, das macht MAN nicht! Dieser MAN schon wieder…

 

Partizipation bedeutet nicht, dass ich meinem Kind in jeder Situation tausend Fragen stelle. Möchtest Du von Mama oder Papa oder Oma oder Opa gewickelt werden? Möchtest Du jetzt oder später oder gar nicht gewickelt werden? Möchtest Du mit Wasser oder feuchtem Tuch sauber gemacht werden? Möchtest Du ein Buch lesen oder Duplo spielen oder malen oder basteln oder raus gehen?

Also mal ehrlich, das würde sogar mich überfordern. „Ich sehe Deine Windel ist voll. Wir gehen wickeln“. Wenn das Kind mir dann zeigt, dass es nicht möchte, schaue ich, was dahintersteckt. Vielleicht möchte es sein Spiel noch zu ende spielen. Vielleicht möchte es lieber vom Papa gewickelt werden. Vielleicht ist es schon so groß, dass es nicht mehr im liegen gewickelt werden möchte.

Du möchtest eine Frage stellen? Dann darf diese natürlich immer auch verneint werden! Du möchtest nach dem Kindergarten direkt nach Hause und nicht mehr tausend Stunden auf dem Spielplatz frieren? Dann frage nicht ob Dein Kind nach Hause möchte. Du hast absolut keinen Bock Eisenbahn zu spielen? Dann frage nicht, ob es lieber Eisenbahn spielen oder raus gehen möchte!

 

 

Partizipation, eine wunderbare Haltung auf Augenhöhe. 

 

Mit diesem Blog Beitrag möchte ich Euch einen klitzekleinen Impuls mit auf Euren individuellen Weg geben.

Euer Weg wird ein wunderbarer sein, egal, welchen Ihr geht. Hört auf Euer Bauchgefühl. 

 

 

P.s.: danke liebe Fanny für diesen tollen Vormittag mit Dir beim Bauch- & Babyzwerg!

 

 

Ich freue mich schon sehr, auf den nächsten Termin mit Dir!

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