"Kind, jetzt schlaf doch endlich!"


 

 

Auf Knofpdruck, wie sonst?

 

„Jetzt entspann doch mal“

 

Da kann ich nur sagen: „Danke für den Ratschlag“. Was bringt mir der Ratschlag? Nichts! Ich sag ja immer: auch ein Ratschlag ist ein Schlag. Ob und wie ich entspannen kann, liegt ganz bei mir. Nur ich selbst kann es schaffen, mich zu entspannen. Wenn da jemand neben mir sitzt und mir sagt, dass ich mich doch endlich mal entspannen soll, muss derjenige sich eher vor mir ich acht nehmen. An Entspannung ist dann eher nicht mehr zu denken!

 

Es wird da irgendwas von mir erwartet. Also jemand wartet auf eine Handlung von mir. Die kann er haben! Aber wahrscheinlich eine andere, wie er erwartet.

 

Da muss ich an ein Zitat denken über das ich mal gestolpert bin: „Enttäuscht wird man nur, wenn man etwas erwartet, was der andere einem nicht geben kann. Erwarte nichts, dann wirst du nicht enttäuscht.“

 

Ähnliches geht mir durch den Kopf, wenn ich viel zu früh aufwache und weiß, dass ich schnell wieder einschlafen muss, da ich am nächsten Tag einen sehr frühen und wichtigen Termin habe. Ich habe die Erwartung an mich selbst, möglichst schnell wieder einzuschlafen. Je mehr ich mir das einrede, umso weniger kann ich einschlafen. Doof!

 

„Jetzt schlaf doch endlich ein“ geht genauso wenig auf Knopfdruck wie dieses „jetzt entspann doch mal“. Jetzt möchte ich gerne mal zwei Dinge in den Raum werfen:

 

„Man kann nicht nicht kommunizieren“

 

„Von mir kann nichts erwartet werden, was ich nicht kann“

 

Was aber hat die Aussage von Paul Watzlawick hier verloren? Dieses man kann nicht nicht kommunizieren? Ich finde, dass dieser Blick hier sehr wichtig ist, denn klitzekleine Zwergenkinder sind so feinfühlig. Sie spüren auch nicht ausgesprochene Erwartungen. Also selbst wenn ich nur denke „Kind, jetzt schlaf doch endlich“ – und sind wir mal ehrlich, wir alle haben das schon gedacht - wird mein Zwergle diese nicht ausgesprochene Erwartung spüren und darauf auch reagieren. Leider nicht mit Schlafen! Es wird mit Unruhe und vielleicht auch mit Weinen reagieren, was mich als Mama / Papa vielleicht verunsichert (evtl. wird mein Herzschlag und meine Atmung schneller) und darauf reagiert das Baby wieder. Es kommt irgendwie zu einem ungünstigen Kreislauf.

 

Ich habe einmal einen Vortrag von Barbara Walcher gesehen (also online, wegen der Pandemie). Sie hat dies mit einem wunderbaren Schaubild verdeutlicht. Da war der Erwachsene, der all die Spannungen als einen stacheligen, großen Ball vor sich hatte. Das Baby kann natürlich nicht ankuscheln, an einen solchen Ball. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Zwerge besonders dann zu uns kommen, wenn wir gemütlich einen Kaffee trinken wollen, in aller Ruhe auf die Toilette gehen oder fünf Minuten mit der besten Freundin telefonieren wollen. Denn da haben wir ihn nicht vor uns, diesen stacheligen, großen Ball, an den man sich nicht ankuscheln kann.

 

Wo zum Teufel ist denn nun dieser Knopfdruck?

 

Ich muss Euch sagen: Sorry, den gibt es leider nicht.

 

Was vielleicht helfen kann, ist das Wissen, dass ein Baby nur bei den Eltern „andocken“ / „ankuscheln“ kann, wenn wir in der Ruhe sind, also kein Stachelball den Weg zu uns versperrt. Und es liegt an jedem selbst, seinen Körper im Blick zu behalten und seine Körpersignale zu erkennen und in einen entspannten Zustand zu kommen. Ja, stimmt, das ist leichter gesagt, als getan! Wie soll ich denn in einen entspannten Zustand kommen? Am besten auf Knopfdruck? Auch hier gibt es ihn nicht, diesen Knopf, der so vieles erleichtern würde.

 

Was ich für mich als hilfreich erlebt habe, ist die Einschlafbegleitung auch für mich so angenehm wie möglich zu machen (und dies gelingt nicht, wenn man seinen Arm über dem Gitterbettchen hängen hat und dieser immer kurz vor dem Einschlafen ist – also der Arm, nicht das Baby – und da spreche ich aus eigener Erfahrung). Es steht fest: nicht nur das Baby braucht es gemütlich! Auch der Erwachsene! Wie kann ich die Zeit für mich als eine schöne Zeit genießen? Kann ich mir vielleicht was zum Lesen mitnehmen? Musik hören, die mir gefällt, vielleicht ein Hörspiel hören? Manchen Menschen hilft es wohl auch, sich auf seinen Atem zu konzentrieren. Ich schreibe hier "wohl", weil ich das gehört habe. Mir gelingt das leider (noch) nicht.

 

Ich hatte weiter oben ja noch etwas geschrieben: „Von mir kann nichts erwartet werden, was ich nicht kann“, ich kann also nichts von jemandem erwarten, was diese Person, warum auch immer, nicht kann. Ich möchte das auf unsere Babys beziehen: Ich kann von meinem Baby nichts erwarten, was es (noch) nicht kann. Wenn wir uns die Schlafentwicklung* von Kindern anschauen, fällt sehr schnell auf, dass das alleine Ein- und Durchschlafen eine Entwicklung ist die erst ziemlich spät möglich ist (3.-4 Jahre). Somit kommt auch hier das Wort der Erwartung wieder ins Spiel. In unserer Gesellschaft wird schon total früh erwartet, dass die Zwerge alleine ein- und durchschlafen. Manchmal wird das schon mit einem halben Jahr erwartet. Also ich warte auf etwas, das erst Jahre später zu erwarten ist. Naja, ich sag mal so, diese Erwartung wird mit einer Enttäuschung einhergehen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine erwartungsfreie wunderbare Einschlafbegleitung, die auch für Euch eine schöne Zeit ist oder noch wird.

 

Was ist für Dich eine Herausforderung bei der Einschlafbegleitung?

 

Welche Dinge sind eine Ressource für Dich bei der Begleitung des Zwerges in den Schlaf?

 

Was könnte die Einschlafbegleitung für Dich zu einer Zeit machen, die Du genießen kannst?

 

 

 

*dazu übrigens bald noch ein bisschen mehr ;-)

 

 

 

Neben meinem eigenen "Senf" ;-) beziehe ich mich hier auf folgende Quellen:

Vortrag von Barbara Walcher (https://www.barbarawalcher.it/de/home.html)

https://1001kindernacht.ch/

https://www.paulwatzlawick.de/axiome.html

Zitat © Belinda Fuchs (*1962)

 

 

 

 

 

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