Die Sache mit der Schlafentwicklung

 

 

Also, dass ein Baby nicht die ganze Nacht schläft, das war mir auch schon bekannt, bevor ich das erste Mal schwanger war. Dass es auch öfter wie ein mal in der Nacht aufwachen wird, auch. Dass diese Schlafentwicklung aber mehrere Jahre gehen wird, das war mir wirklich nicht klar. Schock! Vorbei sind sie, die Nächte mit ausreichendem Schlaf! Welch ein Graus!

 

Beginnen möchte ich diesen Beitrag mit einer Frage: "was brauchst Du um gut schlafen zu können? " 

Ich brauch ehrlich gesagt ziemlich viel um gut schlafen zu können! Wollsocken, die nach zwei Minuten ausgezogen werden müssen, weil es mir dann doch zu heiß wird. Ein Seitenschläferkissen. Eine riesige Decke, die an alles Seiten eingeschlagen werden kann. Zwei Kissen. Meinen Mann und meinen Zwerg zum Kuscheln. Aber nicht allzu nah, sonst kann ich auch nicht schlafen. Auf jeden Fall Müdigkeit, ohne geht gar nicht. Kein Hunger, Durst und natürlich keine volle Blase. Das alles und wahrscheinlich noch viel mehr brauche ich um mich geborgen und sicher zu fühlen. Zum Glück kann ich all die genannten Punkte selbst sicherstellen. 

Dein Baby hat mindestens gleich viele Bedürfnisse wie ich, um gut schlafen zu können. Der einzige, aber entscheidende Unterschied ist, dass es die Punkte nicht alleine sicherstellen kann.

 

Um gut einschlafen zu können, braucht es also vor allem diese Sicherheit. Also das Vertrauen, dass uns während wir Schlafen nichts passieren kann. Das brauchen nicht nur die Zwerge, sondern auch die Erwachsenen. Dieses Vertrauen können die Kleinen natürlich nicht "aus dem Ärmel" schütteln. Dafür braucht es die Eltern. Nicht nur für ein paar Nächte, sondern für Jahre! Ja, ich würde Euch gerne etwas anderes sagen! Aber nein! Der Job als Eltern geht halt nicht nur von morgens sieben bis abends 19 Uhr, sondern 24 Stunden. Anstrengend! Sehr anstrengend! 

 

Warum aber wachen die Zwerge in der Nacht so oft auf? 

Das liegt unter anderem an den Schlafzyklen. Unser Schlaf wechselt die ganze Nacht mehrere male zwischen oberflächlichen und unterschiedlich tiefen Schlafstadien wie auch Wachphasen ab. Wir schlafen also nicht die ganze Nacht komplett durch. Wir Erwachsenen merken das meist gar nicht. Die Zwerge schon! Sie wachen meist auf, wenn ein Schlafzyklus wieder von vorn beginnt. Sie müssen sich ja vergewissern, ob sie noch in Sicherheit sind. Bei meinem Zwergle ist es häufig so, dass er mit geschlossenen Augen, mit seiner Hand nach mir sucht. Wenn er spürt, dass ich noch da bin, schläft er gleich wieder ein. Findet er mich nicht sofort, macht er seine Augen auf und schaut, ob er mich sehen kann. Wenn er mich nicht sieht, ruft er nach mir. Für mich war es deshalb immer sehr hilfreich wenn ich ganz in der Nähe war. Denn so musste mein Zwerg nicht komplett aufwachen und ist schnell wieder eingeschlafen. 

 

Spannend ist nicht nur, dass Kinder beim Übergang in den nächsten Schlafzyklus meist aufwachen, sondern auch, dass sich Zwerge länger in einem leichten, schnell weckbaren Stadium befinden. Als Mama ist es mir oft passiert, dass ich mein schlafendes Baby ablegen wollte und kaum lag es, zack, sind die Äuglein wieder aufgegangen. Mist! Also alles nochmal von vorn! Ich habe mein Baby zu früh abgelegt, da es noch im oberflächlichen Schlaf war. Na toll, dass ich das erst jetzt weiß. Vielleicht hätte es sich ablegen lassen, wenn ich noch ein bisschen länger gewartet hätte. Ich schreibe "vielleicht", denn es gibt ganz sensible Babys, denen es völlig egal ist, wann sie abgelegt werden, sie merken es immer. 

 

Was ich auch spannend finde ist, dass sich Babys vor allem in den frühen Morgenstunden mehr in den sogenannte REM Schlafphasen befinden (also in dem oberflächlichen Schlaf). Das ist oft auch der Grund, weshalb Zwerge am Morgen gefühlt nur am Busen / Fläschchen "hängen". 

 

Die ganze Schlafentwicklung verläuft (leider, leider) nicht linear. Also was heute super klappt kann morgen schon ganz anders sein. 

 

Ab etwa dem vierten Lebensmonat schlafen die Zwerge oft unruhiger - das geht übrigens häufig bis ins vollendete zweite Lebensjahr. Das liegt daran, dass die Kinder so unglaublich viele Entwicklungsschritte durchleben und sie diese in der Nacht verarbeiten oder sogar weiterüben. Mein Zwergle ist oft in der Nacht hingesessen oder später auch immer wieder aufgestanden. Er hat also das Sitzen und später das Aufstehen im Schlaf weitergeübt. Also eigentlich toll! Für die Eltern: etwas anstrengend. Also unruhige Nächte: völlig normal!

Die Zwerge brauchen natürlich auch in der Nacht Nahrung. Denn so viel kognitive Entwicklung (und natürlich alle anderen Bereiche) braucht Energie! Viel Energie! Also gebt Euren Zwergen die (Mutter)Milch die es braucht, denn sie haben Hunger, die Zwerge! Die Nahrung aus der Flasche muss deshalb aber nicht extra mit vielen Kalorien angereichert werden. Denn sonst wird die ganze Energie ja für die Verdauung und somit für den Magen-Darm-Trackt benötigt und wird quasi abgezwackt, von anderen Bereichen die Energie bräuchten. Der "fette Schoppen" am Abend oder der extra reichhaltige Brei bringt also nur ein "Fresskoma".

 

 

Es gibt ein paar Zutaten, die es laut Herbert Renz-Polster braucht, damit ein Kind schlafen kann:

  • Müdigkeit (und da ist er schon, der erste Punkt: die Müdigkeit kann nicht hergezaubert werden und auch nicht antrainiert. Denn der Schlafbedarf ist eine individuelle Größe, die ich (leider) nicht beeinflussen kann. Wie bei den Erwachsenen eben auch. Manche brauchen fünf Stunden Schlaf pro Nacht, um am Folgetag fit und leistungsfähig zu sein, andere - zu denen gehöre leider ich - brauchen eher zehn oder mehr).
  • Entspannung (und da wären wir wieder bei meinem letzten Beitrag, das Baby kann natürlich nur entspannen, wenn auch ich Ruhe ausstrahle. Gar nicht so einfach, das mit der Entspannung, denn neben meiner unglaublichen Ruhe, die ich ausstrahle müssen ja auch die Bedürfnisse meines Babys befriedigt sein)
  • Mitbestimmung
  • Begleitungsperson (und das die ERSTEN JAHRE!)

Wenn ich das gerade schon mit Großbuchstaben betont habe, kann ich direkt noch einmal darauf eingehen. Die Schlafentwicklung dauert rund drei bis vier Jahre und ist alles andere als linear (denn es kommen immer wieder Entwicklungsschritte, die dafür sorgen, dass das Zwergle wieder mehr Nähe braucht z.B. Trennungsangst, mehr Mobilität, zahnen.... Es wird Zeiten geben, da denkt ihr vielleicht "wow, klasse, nur einmal aufgewacht, heute Nacht", dann wird es Zeiten geben, da denkt Ihr vielleicht "mein Baby ist die ganze Nacht am Busen / der Flasche gehängt". Also ab drei Jahren ist es möglich, sein Kind alleine schlafen zu lassen. Wenn Ihr das gemeinsame Schlafen aber genießt, dann ist das wunderbar, dann gibt es daran absolut nichts zu ändern! Genießt es! In vollen Zügen! Denn irgendwann wird es das letzte Mal sein und vielleicht vermisst ihr es dann. Falls Euch die Sorge beschäftigt, dass Ihr es nie aus dem Bett bekommt: da kann ich Euch beruhigen! Mit 18 wird es nicht mehr bei Euch schlafen wollen. Sollte das nicht so sein, könnt Ihr Euch dann immer noch Gedanken darüber machen ;-). 

 

Und die Sache mit dem Verwöhnen? Dazu bald mehr!

 

 

 

Ich beziehe mich unter Anderem auf:

www.kinder-verstehen.de

www.1001kindernacht.ch

Remo Largo "Baby Jahre"

Vortrag von Barbara Walcher (www.barbarawalcher.it)

 

 

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