Herzenssache - Nähen für Sternchen & Frühchen

 

Als ich auf der großen Ehrenamtsmesse in Ravensburg war, durfte ich zwei wunderbare Frauen eines noch viel wunderbareren Vereines kennenlernen: Herzenssache – Nähen für Sternchen & Frühchen e.V. Es hat mich zutiefst beeindruckt, was diese tollen Frauen ehrenamtlich leisten und für welch wichtiges Anliegen sie sich einsetzen.

 

Es freut mich sehr, dass ich Euch heute Anne Beutner vorstellen darf. Im Gespräch mit ihr habe ich einiges über sie und ihre Arbeit im Verein erfahren und möchte das natürlich gerne mit Euch teilen.

 

Sandi

Hallo Anne, erst mal vielen lieben Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst mir meine Fragen zum Verein und Deinen Aufgaben dort zu beantworten! Wir haben uns auf der Ehrenamtsmesse in Ravensburg am Stand der „Herzenssache“ kennengelernt. Magst Du uns mal erzählen, was hinter diesem Verein steckt?

 

Anne

Hallo Sandi. Im Verein unterstützen wir Eltern, die ein Kind verloren haben, oder deren Kinder zu früh auf die Welt kamen. Wir nähen, stricken, häkeln und basteln ehrenamtlich für Frühgeborene und Sternenkindern (das sind tot geborene Kinder). Diese Sachen werden dann Kliniken und Bestattern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Sandi

Wie bist Du zu „Herzenssache“ gekommen?

 

Anne

Eigentlich durch Zufall – ich bin auf Facebook (jaa, Facebook hat auch gute Seiten ;-) ) über die Seite des Vereins gestolpert und das hat mich sofort inspiriert, meine Stoffreste sinnvoll zu verarbeiten.

 

 

 

Sandi

Neben „Herzenssache“ arbeitest Du hauptberuflich im Krankenhaus. Wie genau sieht Dein Job dort aus?

 

Anne

Ich arbeite seit 30 Jahren als Krankenschwester auf der operativen Intensivstation für Erwachsene.

 

Sandi

Wo sind die Schnittstellen zwischen Deinem Job und Deiner „Herzenssache“ und wie sehen diese aus?

 

Anne

Ich bin die Klinikansprechpartnerin der Kinderintensivstation des Elisabethen - Klinikums in Ravensburg. Das bedeutet, ich frage in regelmäßigen Abständen bei den Kollegen nach, ob sie Kleidung für die Frühchen brauchen und bestelle sie dementsprechend im Lager des Vereins. Dort wird das meist zu individuellen Paketen zusammengestellt, mir zugeschickt und ich liefere die Sachen dann auf der Station ab. Neben der Kinderintensivstation betreue ich auch den Kreißsaal im Elisabethen – Klinikum in Ravensburg und auch in Weingarten im Krankenhaus 14 Nothelfer.

 

Sandi

Sein Baby zu verlieren ist sicherlich die schlimmste Vorstellung aller werdenden Eltern. Die Trauer über den Verlust des Kindes muss überwältigend sein. Wie bekommen Familien durch „Herzenssache“ Hilfe?

 

Anne

Wir versuchen durch die liebevoll hergestellten Einschlagdecken, Abschiedsboote und Erinnerungsstücke den Verlust und Abschied etwas würdevoller zu gestalten.

 

Sandi

Der Umgang mit Eltern, die ihr Baby vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben ist für Außenstehende Personen häufig sehr schwer. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie sie mit betroffenen Familien umgehen sollen und auch dürfen. Wie stehst Du dazu?

 

Anne

Das ist immer eine ganz schwierige Situation. Auch ich fühle mich im Umgang mit betroffenen Eltern noch oft unsicher, aber zuzuhören und einfach da zu sein ist sicher schon eine kleine Hilfe. Eventuell kann man den Eltern bei organisatorischen Dingen behilflich sein – je nachdem was die Trauernden zulassen.

 

Sandi

Wie kann man betroffenen Eltern begegnen? Was wünschen sich betroffene Familien vielleicht auch von der Gesellschaft?

 

Anne

Ich denke man sollte den Eltern offen begegnen, mit Verständnis für die Trauer. Eine Fehlgeburt oder Totgeburt, egal in welchem Stadium der Schwangerschaft, bedeutet für die Eltern einen unvorstellbaren Verlust. Jeder trauert anders…man sollte jede Form der Trauer zulassen ...ob ganz still oder laut.

 

Sandi

Was sollte sich allgemein ändern?

 

Anne

Informationen rund ums Thema Frühchen und Sternchen sollten noch besser werden – das ist noch immer ein gesellschaftliches Tabuthema. Die Eltern von Frühchen müssen auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus begleitet und betreut werden, denn das ist ja oft noch ein weiter Weg bis zur Normalität. Ein Anfang wäre es da schon Vereine wie unseren zu fördern und den Eltern eine Anlaufstelle zu bieten.

 

Sandi

Wie kann man Eltern helfen, wenn sie sich von ihrem Kind verabschieden müssen?

 

Anne

Ganz wichtig ist es ihnen Zeit zu geben (die leider im Klinikalltag oft nicht vorhanden ist). Wie gesagt trauert jeder anderes, es muss auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen werden. Es ist nicht immer leicht einzuschätzen, wer gerne Hilfe oder Seelsorge angeboten haben möchte, oder wer eher für sich sein will.

 

Sandi

Liebe Anne, ich danke Dir für Deine Zeit, Deine Offenheit und vor allem möchte ich Dir sagen, wie wundervoll ich Dein Engagement bei Herzenssache finde.

 

 

Da ich die Arbeit dieses Vereines unglaublich wichtig finde, habe ich mich natürlich gleich auf der Homepage registriert und überlegt, wie ich mich engagieren könnte. Ich habe mich dazu entschieden etwas zu nähen – also hochmotiviert viele Schnitte ausgedruckt und dann beim Stoffe schneiden schnell die Lust verloren (ich hasse Stoffe schneiden!). Das Nähen aber macht mir total viel Spaß. Wie toll ist es da, dass andere ehrenamtliche Menschen (gerne?!) Schnitte schneiden, die sie anderen zur Verfügung stellen. Ich hab‘ mir also ein riesiges Paket an Zuschnitten bestellt und ich konnte einfach drauf los nähen – perfekt! 😊 Es hat mir so viel Freude bereitet, dass ich mir auf jeden Fall gleich ein neues Paket bestellen werde.

 

Ich hoffe, dass es nun ganz vielen von Euch genau so ergehen wird wie mir und Ihr alle diesen tollen Verein und damit die vielen Familien, die vielleicht gerade die schwerste Zeit ihres Lebens bewältigen müssen, eine klitzekleine Freude bereitet.

 

Weitere Infos findet Ihr auf der Homepage von Herzenssache: https://www.herzenssache-nfsuf.de/

 

Natürlich auch auf Facebook: https://www.facebook.com/Herzenssache.e.V/

 

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