"Schläft es denn schon durch?"

 

„Schläft es denn schon durch?“ die Frage mit der wohl die meisten Familien mit einem  Baby recht früh konfrontiert werden. Die Antwort? Meist mit einer inneren Frage nach dem Fehler verbunden. „Was haben wir bloß falsch gemacht, dass unser Baby noch nicht durchschläft?“

Durchschlafen? Aber was heißt eigentlich Durchschlafen? Ist Durchschlafen überhaupt gut für ein Baby?

 

Normvorstellungen wecken falsche Erwartungen und verunsichern junge Familien häufig, so wird z.B. erwartet, dass ein Baby mit einem Jahr zwölf Stunden pro Nacht schläft und am Tag noch ein bis zwei Tagschläfchen hält. Es gibt Kinder die einen solchen Schlafbedarf haben, aber auf die Mehrzahl der Kinder trifft dies nicht zu. Einige benötigen über 15 Stunden Schlaf, anderen reichen 9 bis 10 Stunden (Neugeborene schlafen häufig über 20 Stunden pro Tag).

Es wird klar, dass der Schlafbedarf von Babys und Kindern sehr individuell und vieles normal ist. Wenn ein Kind nun mit 10 Stunden Schlaf seinen kompletten Schlafbedarf gedeckt hat und nicht mehr schlafen kann, wird das ganze Schäfchenzählen nichts mehr bringen. Das Kind entwickelt sich nicht besser, wenn es mehr Zeit in seinem Bettchen verbringen muss. Auch wird es nicht erlernen länger zu schlafen, denn der Schlafbedarf kann nicht beeinflusst werden, der ist einfach da und muss so akzeptiert werden (auch wenn man sich als Eltern vielleicht manchmal einen größeren Schlafbedarf herbeisehnen würde). Muss ein Kind über seinen Schlafbedarf hinaus im Bett bleiben, kann es sein, dass das Baby sich beim Einschlafen schwer tut, nachts mehrmals aufwacht oder am Morgen in Allerfrühe wach ist. Im (für die Eltern) ungünstigsten Fall zeigt das Kind alle drei aufgeführten Aspekte, was für die Eltern verständlicherweise sehr anstrengend werden kann, vor allem dann wenn sie nicht wissen woran es liegen könnte. Eltern, die den individuellen Schlafbedarf ihres Kindes herausgefunden haben, können die Schlafenszeiten an den kindlichen Bedürfnissen anpassen.

 

Aber nun zur eigentlichen Frage, was heißt eigentlich Durchschlafen?

Unser Schlaf besteht aus vielen aufeinanderfolgenden Schlafzyklen. Ein Zyklus dauert bei einem Säugling etwa 50 Minuten, bei einem erwachsenen Menschen 90 – 120 Minuten. In jedem Zyklus werden verschiedene Schlafphasen durchlaufen, von einem sehr oberflächlichen Schlaf gelangen wir in den tiefen Schlaf mit seinen vier Tiefschlafphasen. Nach dem dritten Lebensmonat erstrecken sich die Zyklen bei Säuglingen auf einen längeren Zeitraum und passen sich dem der Erwachsenen an. Meist wachen wir zwischen den Zyklen kurz auf, dies wissen wir am nächsten Morgen oftmals nicht mehr, da wir gleich wieder einschlafen. Auch Säuglinge wachen nach den Zyklen auf und benötigen häufig unsere Hilfe um wieder in den Schlaf zu finden. Schön wäre es an dieser Stelle vielleicht für den ein oder anderen zu lesen, dass Durchschlafen bedeutet, dass das Kind von 19 Uhr bis 7 Uhr am nächsten Morgen schläft, ohne aufzuwachen. Da muss ich Euch leider enttäuschen, ein Kind schläft durch, wenn es 5 Stunden schläft, dazwischen einmal aufwacht und ohne Hilfe wieder in den Schlaf findet.

 

Wenn ein Baby nachts aufwacht kann das ganz viele verschiedene Gründe haben, warum es nach seinen Bezugspersonen ruft. Hunger, Durst, volle Windel, warm, kalt, Nähe & Geborgenheit, Schmerzen, Verarbeitung von Entwicklungsschritten…um nur einige zu nennen. Aus Sicht der kindlichen Entwicklung bringt das nächtliche Erwachen einige Vorteile mit sich: Vitalfunktionen werden stimuliert, Tiefschlafphasen sind nicht zu lange, mehr Körperkontakt (Bindung)…Das Elternsein hört halt nicht um 19 Uhr auf, sondern geht 24 Stunden!

Dass man sein Baby nicht verwöhnt, wenn man ihm (auch) nachts die Nähe gibt, die es benötigt und feinfühlig sowie empathisch auf seine Bedürfnisse eingeht ist leider noch nicht in jedermanns Kopf angekommen. Babys werden dadurch sicherlich nicht verwöhnt!!! Im Gegenteil durch eine liebevolle Zuwendung und Begleitung in den Schlaf und durch die Nacht wird die Bindung gestärkt. Das Baby lernt durch die Nähe zu seinen Bezugspersonen, dass diese immer da sind, wenn es was braucht.

 

„(…)Wenn Babys spüren, dass ihr Schreien in der Nacht die Eltern unter keinen Umständen auf den Plan rufen kann, geben sie auf und schlafen den Schlaf der Resignation.(…)“

 

Die Folgen solcher Erfahrungen liegen auf der Hand: Verlust des Urvertrauens, was Auswirkungen bis ins Erwachsenalter hat. Wie elementar wichtig eine sichere Bindung in den ersten Lebensjahren als Basis für die gesamte Entwicklung ist, ist heutzutage bekannt. Ein Baby durch Konditionierungsprogramme zum „schlafen lernen“ zwingen zu wollen wird nicht funktionieren. Es wird versucht, ihm einen Entwicklungsschritt aufzudrücken, zu welchem es selbst noch nicht bereit ist. Dies wird verständlicherweise mit viel Protest seitens des Babys einhergehen, wenn das Baby dann schläft neigt man dazu sich zu sagen, dass es funktioniert hat. Aber das Kind ist erschöpft und frustriert eingeschlafen da es keine andere Wahl hatte als in seinem Bettchen zu liegen. Als Eltern wünscht man sich sicher keinen Schlaf der Resignation für sein Baby. Wie aber das allnächtliche Gewecktwerden überstehen?

 

„Wie das allnächtliche Gewecktwerden überstehen?“ lautet eine Überschrift im Buch Baby Jahre von Remo Largo und ich finde sie sehr treffend. Denn wer ein (oder mehrere) Kinder hat weiß, wie kräftezehrend es sein kann, wenn man jede Nacht mehrmahls geweckt wird. Wie es einem auch mal schwer fällt, liebevoll auf die Bedürfnisse seines Babys einzugehen. Wie man auch mal Aggressionen verspürt wenn man nach nur sehr kurzer Zeit schon wieder aus dem Schlaf gerissen wird, sich dann wieder schlecht fühlt dass man diese Gefühle so empfunden hat. Häufig kommt es vor, dass Eltern sich in diesen Situationen überfordert fühlen.

 

An dieser Stelle können sie ins „Spiel“ kommen, die SchlafberaterInnen. „SchlafberaterIn, was es alles gibt“ wäre zumindest meine Antwort darauf gewesen, damals als ich mich noch nicht beruflich, sondern „nur“ privat mit dem Thema Schlaf (also mit dem riesen großen Thema Schlaf) auseinandergesetzt habe. Heute biete ich selbst Schlafberatungen in Ravensburg und Umgebung (von weiterweg auch per Telefon oder Skype) an. Als Schlafberaterin nach dem bindungsorientierten, kindgerechten, ganzheitlichen & langfristig sinnvollen, feinfühlig & empathischen, individuellen, wertschätzenden, fachlich kompetenten Konzept von Sibylli Lüpold (www.1001kindernacht.ch) berate ich Familien auf ihrem ganz individuellen Weg zu entspannten Nächten und einer sicheren Eltern – Kind – Bindung. Es geht bei einer Beratung nicht um irgendwelche Zaubereien, die ein Durchschlafen von heute auf morgen mit sich bringen. Wir erarbeiten gemeinsam einen auf Eure individuellen Bedürfnisse abgestimmten und kindgerechten Weg.

 

Ich freue mich auf Eure Anfragen.

 

 

Largo R.: Babyjahre, Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. 2010; München: Piper Verlag

Lüpold S.: Kinder brauchen uns auch nachts, Warum Schlaftrainings nicht empfehlenswert sind. 2010: Eigenverlag

www.1001kindernacht.ch

 

Bildnachweis: https://www.instagram.com/sonnymuesli/

 

 

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