Stoffwindeln in der Krippe - was sagen die Fachkräfte

 

 

 

Stoffwindeln in der Krippe – was sagen die Profis

 

Gesagt, getan :-) und trotz Zweifachmama, Haushalt, Arbeit, To-Do-Listen-schreiben bin ich ziemlich stolz auf mich, dass ich doch recht schnell dazu gekommen bin, mein Versprechen an Euch einzuhalten. Nach meinem letzten BLOG Artikel habe ich Euch ja versprochen, das Thema Stoffwindeln mal von einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Also geht es mir nun darum, was die Erzieherinnen und Erzieher zum Thema Stoffwindeln in der KiTa sagen!

 

Mir war es wichtig, die Erfahrungen und Vorstellungen der pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen direkt in den Gruppen abzufragen, aber auch die Einstellungen der Einrichtungsleitungen unter die Lupe zu nehmen.

Mein großer Dank geht an dieser Stelle an die Kindertageseinrichtungen vom DRK sowie dem KBZO. Danke, Danke, Danke dass Ihr Euch die Zeit genommen habt meinen Fragebogen auszufüllen.

 

Die pädagogischen Fachkräfte, die den Fragebogen ausgefüllt haben, sind zwischen 23 und 60 Jahre. Unter Ihnen sind Erzieherinnen und Erzieher (Gruppenleitungen), Fachlehrerinnen, Leitungen und stellvertretende Leitungen.

 

Und hier meine Ergebnisse :-) :

 

Auf die Frage „Kennen Sie Stoffwindeln?“ wurde elf Mal mit „ja“ und einmal mit „nein“ geantwortet

 

„Wissen Sie, dass es verschiedene Modelle von Stoffwindeln gibt?“ Darauf haben acht mit „nein“ und vier mit „ja“ geantwortet. Die vier pädagogischen Fachkräfte, die wissen dass es verschiedene Modelle gibt, kennen:

  • Stoffwindeln zum schnüren
  • Stoffwindeln, die wie „normale“ Windeln aussehen
  • Faltwindeln aus Tüchern
  • Quadratisches Baumwolltuch
  • Höschenwindeln mit Überhose und Einlage
  • Windel mit Druckknöpfen, einem Innenvlies und einer Überhose
  • Weiß, gefühlt uralt, ganze Windel wird gewechselt mit Überhose aus Plastik
  • Überhose, in die Stoff gelegt wird, gewechselt wird nur die Lage aus Stoff + Vlies
  • Prefolds, Pocketwindeln, All in ones, Mullwindeln – mit Überziehern
  • Wechselbares Inlay (Stoff + Papier) / feste Außenwindel – ähnlich Nylonstoff

Die Fachkräfte, die Stoffwindeln nicht kennen, Stellen sich Stoffwindeln wie folgt vor:

  •  Dünnes weißes Tuch
  • Quadratisches Baumwolltuch
  • Weich
  • Undicht

Natürlich hat mich auch interessiert, wie oft die pädagogischen Fachkräfte in ihrer Einrichtung bereits mit Stoffwindeln konfrontiert worden sind, welche Stoffis die Eltern mitgebracht haben und über welche Erfahrungen die Erzieherinnen und Erzieher berichten können. Interessant ist an dieser Stelle, dass die Fachkräfte die in der Einrichtung mit Stoffwindeln konfrontiert wurden diese als „unkompliziert, so wie andere Windeln“, „sehen aus wie normale Windeln, nur aus Stoff“ „Bunt, mit Klettverschluss“ und „einfach zu wickeln, funktioniert wie normale Windel“ beschrieben haben. Zum Vorgehen hat eine Erzieherin geschrieben „Eltern haben einen Behälter mit Deckel mitgebracht, in dem die gebrauchten Windeln gesammelt wurden und täglich mit nach Hause genommen wurden“. Eine andere Erzieherin berichtet: “Am Anfang war ich unsicher, doch das Wickeln ist sehr einfach. Die Eltern bringen immer eine Tasche für die verschmutzten Windeln, das Wickeln ist sehr angenehm“. Oder „Ich finds super“, „sind einfach zu handeln ähnlich „normaler“ Windeln“. Eine Einrichtungsleitung berichtet: „die Erzieherinnen waren überrascht, weil es neu war. Bis jetzt haben wir dem Elternwunsch entsprochen“. Als ein Nachteil wurde in einem Fragebogen das Papiervlies beschrieben. Da dieses „extra entsorgt werden muss, was nicht immer so angenehm ist“. Zweimal wurde berichtet, dass die Stoffwindeln in der Anwendung sehr einfach gewesen seien, aber im Gruppenalltag nicht sehr saugfähig waren und unangenehm gerochen haben. Es wurde berichtet, dass die Stoffwindeln leider nicht gut gepflegt gewesen seien. Eine Erzieherin kannte die Stoffwindeln von einer Nachbargruppe und zwei berichteten an dieser Stelle, dass sie die Stoffwindeln zwar nicht in der Einrichtung kennengelernt haben, als Kind aber selbst Stoffwindeln trugen.

 

Unter welchen Bedingungen können Sie sich das Stoffwickeln vorstellen, und wie sollten die Stoffwindeln sein?

Folgende Antworten konnte ich mit meinem Fragebogen sammeln: „Jeder im Team sollte damit problemlos klar kommen, da nicht immer die Bezugserzieherin wickeln kann“, „so gut es geht hygienisch“, „einigermaßen „saubere“ Lösung für Kacka z.B. Vlies zum wegschmeißen“ zweimal wurden die Aspekte „praktisch, nicht zu zeitaufwendig“ genannt. Eine Erzieherin, die bereits über vielfältige Erfahrungen verfügt, benennt klar: „In der Einrichtung sollten sie schon vorgefaltet sein (falls es was zu falten gibt) und zusammengelegt. Eine Nasstasche von den Eltern sollte vorhanden sein und vielleicht eine kurze Einführung zu dem Modell“. Eine andere Erzieherin könnte sich das Wickeln mit Stoffwindeln in der Einrichtung vorstellen, „wenn es gut eingeführt bzw. jemand Erfahrener es vorstellt“. Weiter wird genannt, dass „wenn eine tägliche Abholung der Wäsche gewährleistet wäre“, man es sich vorstellen könnte. Einmal wurde von einer Einrichtungsleitung berichtet: „Elternwunsch war da, aber aus hygienischen Gründen vom Träger nicht erlaubt“. Eine andere Einrichtungsleitung wiederum berichteten, dass nichts dagegen spreche, wenn „nicht kompliziert in der Handhabung, wenn Eltern bereit sind selbst zu waschen“ und „wenn die Eltern das Wickeln zeigen“. In einem Fragebogen wurde geschrieben „Meiner Meinung nach sollte eine Einrichtung alle Wünsche der Eltern versuchen umzusetzen. Allerdings mit Rücksicht auf das Team und die Kinder“.

 

Im Bereich Ängste wurden in neun Fragebögen keine Angaben gemacht, bzw. die Frage verneint. In den anderen drei Fragebögen fanden sich folgende Ängste: „nicht so dicht“, „öfter wickeln nötig“, „bei längeren Ausflügen nicht so praktisch“, „zu hohe Kosten – Wäsche“ (bei dieser Antwort vermute ich, dass wenn die Einrichtung selbst das Waschen der Windelwäsche übernimmt, die Kosten für die Einrichtung als zu hoch eingestuft werden).

 

 

Mein persönliches Fazit

Bei meinem Fragebogen handelt es sich natürlich nicht um einen standardisierten und somit repräsentativen Fragebogen. Es ging mir lediglich darum, einen kleinen Einblick in meiner Stadt / Nachbarstadt zu bekommen, was denn die pädagogischen Fachkräfte in den KITA Einrichtungen so über Stoffwindeln wissen, wie sie sich diese vorstellen, und wie sie damit umgehen, wenn Eltern sich wünschen, dass Ihr Kind mit Stoffwindeln gewickelt werden soll.

Was mich wirklich sehr positiv überrascht hat, dass die Erzieherinnen, die bereits über Erfahrungen mit Stoffwindeln in der KITA berichten konnten sehr positiv gestimmt waren. Sie berichteten ja sogar, dass diese genauso aussehen und genauso unkompliziert seien wie „normale“ Windeln (also Wegwerfwindeln). Es wurde auch nicht davon berichtet, dass öfter gewickelt werden musste. Dies ist eher die Vermutung von Erzieherinnen und Erzieher, die noch keine Erfahrung mit den Stoffis haben. Lediglich eine berichtete von einer verminderten Saugfähigkeit und zwei von einem unangenehmen Geruch. An dieser Stelle könnte / sollte meiner Meinung nach ein Blick auf die Waschroutine gerichtet werden. Denn Stoffwindeln stinken nicht (!) wenn sie regelmäßig gewaschen werden.

Ich war positiv überrascht darüber, dass einige Erzieherinnen und Erzieher sich schon richtig gut über die verschiedenen Modelle auskennen und klar benennen können, was sie im Alltag in einer Einrichtung als gut und hilfreich und was sich eher als nicht so einfach darstellt, benennen können.

Dennoch lese ich aus den Antworten ganz klar raus, dass es um die Aufklärung geht. Es gibt immer noch viele Erzieherinnen und Erzieher, welche die modernen Stoffwindeln noch nicht kennen. Sie wissen noch nicht wie diese aussehen und wie einfach die Anwendung ist. Sie stellen sich die Stoffwindeln als ein „dünnes weißes Tuch“ das zwar „weich“, aber „undicht“ ist, vor. Sie denken, dass man „öfter wickeln muss“. Meine Schlussfolgerung nach Aufklärung wird in einem Fragebogen klar formuliert „wenn es gut eingeführt bzw. jemand Erfahrener vorstellt“ könnte sich diese befragte Erzieherin vorstellen, auch in der Einrichtung mit Stoffwindeln zu wickeln. Sehr schön fand ich die Antwort, dass man als pädagogische Fachkraft die Wünsche der Eltern versuchen sollte umzusetzen (natürlich auch mit Blick auf das pädagogische Team und die gesamte Gruppe).

Lediglich einmal wurde davon berichtet, dass der Träger ein Stoffwindelverbot aus hygienischen Gründen ausgesprochen hat, dies finde ich sehr schade. Es gibt kein Gesetz, in dem verankert ist, dass Stoffwindeln aus hygienischen Gründen nicht in Kitas genützt werden dürfen (mir wäre zumindest mal keines bekannt).

In diesem Sinne möchte ich Euch ermutigen, bei einem „nein – Stoffwindeln machen wir nicht“ nicht zu schnell aufzugeben. Ich finde gerade die sehr positiven Aspekte die die pädagogischen Fachkräfte genannt haben ermutigen einen doch weiter hinter seinen geliebten Stoffis zu stehen.

 

Wichtige Aspekte für die Wahl des Stoffwindelsystems sind also:

  • Gute Saugfähigkeit (achtet bitte auf saugfähige Einlagen / Materialien)
  • Einfach und schnell beim hin machen (also bereitet Eure Stoffwindeln gut vor)
  • Hygienisch (bringt Wetbags oder Eimer mit für die gebrauchten Windeln und nehmt diesen auch regelmäßig - am besten täglich - mit nach Hause)
  • Richtet einen kurzen Blick auf Eure Waschroutine. Denn Stoffwindeln stinken nicht!
  • Nehmt Euch Zeit für die Vorstellung / das Kennenlernen Eures Stoffwindelsystems, um den Erzieherinnen und Erziehern möglich vorhandene Ängste zu nehmen
  • Und zu guter Letzt: gebt nicht auf!!

Ich verabschiede mich an dieser Stelle und freue mich über Eure Anregungen, Erfahrungen oder einfach nur einen netten Kommentar. Ich gebe das Wort nun weiter an eine ganz tolle Erzieherin, die an dieser Stelle von Ihren ersten Erfahrungen mit Stoffwindeln in der Krippe berichtet! Vielen Dank liebe Miri :-)

 

 

„Als ich erfuhr, dass ich bald ein Kind eigewöhnen werde, welches mit Stoffwindeln gewickelt wird, war ich im ersten Moment unsicher. Nicht weil ich Stoffwindeln schlecht finde, eher weil ich damit noch nie gewickelt habe und mich darüber nicht auskannte. 'Was, wenn ich falsch wickel und dem Kind weh tu', 'was wenn ich zu locker binde und das Kind ausläuft' oder 'was, wenn es mal schnell gehen muss mit dem wickeln und ich für die Stoffwindeln viel länger brauche als für wegwerfwindeln' - das waren meine ersten Gedanken.

 

Nach den ersten Tagen in denen das Kind bei uns in der Krippe war, ging es also ans Wickeln, natürlich mit der Mama. Sie erklärte mir in wenigen Minuten, Schritt für Schritt, wie es mit der Stoffwindel funktioniert. Die Variante zum Schnüren stellte sich ein wenig schwierig heraus, da bedarf es ein wenig Übung und alle Kolleginnen der Krippe müssten diesen Vorgang lernen. Deshalb beschlossen wir, eine andere Variante auszuprobieren, welche sich auch als deutlich praktischer herausstellte. Diese Windel sieht aus, wie eine Wegwerfwindel, nur eben aus Stoff. Sie wird mit Klettverschluss oder Druckknöpfen geschlossen, innen befindet sich ein bereits gefaltetes Tuch. Somit ist der Aufwand genau der Selbe, wie mit jeder anderen (wegwerf)Windel auch. Ich wickel nun seit Wochen dieses Kind und muss sagen, es macht allein vom Tun her, überhaupt keinen Unterschied. Die verbrauchte Stoffwindel kommt einfach in einen Beutel und geht täglich mit nach Hause zum Waschen. Mein persönliches Fazit: ich sehe viele Vorteile in den Stoffwindeln. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Es macht Spaß und ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Eltern auf Stoffwindeln umsteigen würden.“

 

 

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