Stoffwindeln in der Krippe - und die Angst vor den Wegwerfwindeln

 www.pixabay.de (Sara Tissi) abgerufen am 22.10.2017 um 16.00 Uhr

 

 

Stoffwindeln in der Krippe – und die Angst vor den Wegwerfwindeln - Ein Erfahrungsbericht

 

Ehe man sich versieht steht die Eingewöhnung in die Krippe, den Kindergarten oder bei der Tagesmutter an. Die Zeit vergeht doch wie im Flug. Aber was passiert mit den Stoffis? Wird es möglich sein, diese weiterhin zu nutzen? Oder wird man gezwungen sein, doch Wegwerfwindeln zu kaufen?

Heute möchte ich Euch einen Einblick über das Thema Stoffwindeln in der Krippe geben, ich werde Euch von meinen ganz persönlichen Erfahrungen berichten. Wobei ich, wenn ich von Krippe schreibe, nicht nur die Krippe meine, sondern auch jede andere Art der außerfamiliären Betreuung gemeint sein kann.

 

Das Aufnahmegespräch

 

…auch bei uns verging die Zeit wie im Flug, das Aufnahmegespräch für die Kinderkrippe stand ruck zuck vor der Tür. Und nein, Wegwerfwindeln kommen / und kamen  für uns nicht in Frage! Ich glaube bei einer Ablehnung meiner Stoffwindeln hätte ich ernsthalft mit der Suche einer für mich geeigneteren Krippe geliebäugelt. Ich denke, dass es heutzutage so viele verschiedene Stoffwindelsysteme gibt, da wird doch wohl eines dabei sein, welches sich die Erzieherinnen und Erzieher der Krippe vorstellen können. Das System kann ja so gewählt werden, dass pädagogisches Fachpersonal nicht so viel mehr Arbeit hat, als mit Kindern die Wegwerfwindeln nutzen.

Aber wie, wann, wo kann ich das Thema Stoffwindeln am besten ansprechen? Bereits beim Aufnahmegespräch thematisieren? Oder lieber erst  bei der Eingewöhnung die „Stoffis“ auspacken?

Ich habe bereits beim Aufnahmegespräch die Stoffwindeln angesprochen und ich muss sagen, dass die Reaktionen bei den Erzieherinnen durchweg positiv waren (und das noch bevor ich unser System genauer vorgestellt habe). Auch wurde ich nicht mit Fragen oder Bedenken konfrontiert, es war ganz klar, wenn ich mein Kind zu Hause mit Stoffis wickel, wird dies auch in der Krippe umgesetzt. „Das bekommen wir schon hin“. Da hieß es für mich durchatmen! Mit einer solch positiven Reaktion hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Wenn Ihr Euch wünscht, dass Euer Kind auch mit Stoffwindeln gewickelt wird, wenn es nicht von Euch betreut wird, rate ich Euch auf jeden Fall dies bereits im Vorfeld mit dem pädagogischen Fachpersonal zu besprechen. Denn auch wenn diese nicht so positiv gestimmt sind (wie die super tollen Fachkräfte unserer Krippe) wenn es um das Thema Stoffwindeln geht, so habt Ihr im Vorfeld noch genügend Zeit alle Bedenken zu thematisieren und Euer Stoffwindelsystem mit den vielen, vielen (vielen, vielen, vielen, vielen,vielen…) Vorteilen im pädagogischen Team vorzustellen.

 

Die Eingewöhnungszeit (oder ein kleiner Exkurs)

 

Eine ganz besondere und sehr, sehr wichtige Zeit ist die Eingewöhnungszeit in der Krippe. Es handelt sich bei der Eingewöhnung um einen behutsamen Übergang von der Familie in die außerfamiliäre Betreuung, bei welchem das Kind von einer Bindungsperson begleitet wird (z.B. Mutter oder Vater - natürlich ist an dieser Stelle auch jede andere Person gemeint, die für das Kind die Bindungsperson darstellt. Im Folgenden spreche ich nur noch von Eltern, meine aber natürlich die entsprechende Bindungsperson eines jeden Kindes). In den ersten Tagen ist das Elternteil die ganze Zeit mit dabei, Aspekte wie das Essen geben und auch das Wickeln werden zunächst  nicht von der pädagogischen Fachkraft, sondern von den Eltern des Kindes übernommen. Peau á peau werden diese Bereiche von der pädagogischen Fachkraft übernommen, welche die Eingewöhnung des Kindes übernimmt (die Bezugserzieherin).

Diese so wertvolle erste Zeit – die Eingewöhnungsphase – eignet sich für die ErzieherInnen hervorragend, nicht nur um das Kind mit seiner Familie, sondern auch das Stoffwindelsystem kennenzulernen. Da das Kind zunächst von den Eltern gewickelt wird und die pädagogische Fachkraft diese Situation als BeobachterIn begleitet, kann ganz ausführlich das Stoffwindelwickeln gezeigt werden.  Das Kind kann so erleben, dass auch in der Einrichtung gewickelt wird. Die Erzieherin / der Erzieher kann sich die Wickelsituation mit Stoffwindeln in Ruhe anschauen, beobachten und aufkommende Fragen stellen. Das Elternteil des Kindes kann in aller Ruhe das System und die damit einhergehenden wichtigen Punkte erklären. Wichtige Dinge, die gezeigt werden sollten sind:

  • Umgang mit Stuhlgang in der Stoffwindel
  • Lagerung (Wetbag)
  • Umgang mit Überhosen (es muss nur die Einlage in den Wetbag, die Überhose kann mehrmals verwendet werden; die Einlage darf nicht rausschauen)
  • wird mit Mullwindeln, Strickbindewindeln, Prefolds gewickelt, sollte dies dem pädagogischen Fachpersonal mehrmals gezeigt werden
  • Wie eng / weit sollte die Windel angelegt sein.

Natürlich werden an dieser Stelle alle weiteren wichtigen Aspekte des jeweiligen Windelsystems erläutert.

Im Weiteren Verlauf der Eingewöhnung werden die Aspekte Essen geben, Wickeln etc. immer mehr von der pädagogischen Fachkraft übernommen (im Beisein der Eltern – immer natürlich an den Bedürfnissen des Kindes orientiert). Auch in dieser Phase der Eingewöhnung können noch Fragen zum Thema Stoffwindeln geklärt werden und die Bezugserzieherin hat die Möglichkeit zum üben und (ggf.) verschiedene Stoffwindelsysteme auszuprobieren und kennenzulernen. Das Elternteil kann die pädagogische Fachkraft bei Bedarf und Unsicherheiten noch unterstützen.

 

Das Argument der fehlenden Zeit in der Krippe würde ich an dieser Stelle zurückstellen wollen. Blickt man auf den Begriff der „Beziehungsvollen Pflege“ welcher von Emmi Pikler  eingeführt wurde (DER Kindheitspädagogin im Bereich der frühkindlichen Entwicklung) ist festzustellen, dass sie in ihrem Betreuungskonzept den Pflegesituationen einen sehr, sehr hohen Stellenwert zuschreibt. Es geht Pikler um größte Wertschätzung dem Säugling gegenüber (egal wie klein er ist), Ruhe, Feinfühligkeit,  Aufmerksamkeit und natürlich Zeit stellen deshalb elementar wichtige Aspekte dar.  Ganz nach dem Motto Wickelzeit ist Beziehungszeit!!  Wohl selten erfährt das Kind in einer Einrichtung die volle Aufmerksam einer pädagogischen Fachkraft in einer 1:1 Situation. Die feinfühlige Pflegesituation stellt ganz klar ein Qualitätsmerkmal in der Arbeit mit (noch so kleinen) Kindern dar.  Sollte nun also argumentiert werden, dass das Wickeln mit Stoffwindeln nicht möglich sei, da es zu zeitintensiv sei, stellt sich mir schon die Frage ob es wirklich so schlimm ist, wenn das Wickeln womöglich länger dauert. Selbst wenn ein Kind mit Wegwerfwindeln gewickelt wird, wäre es doch außerordentlich schön, wenn sich das pädagogische Fachpersonal viel Zeit für diese wichtige und qualitativ hochwertige Zeit in der 1:1 Betreuung mit dem Kind nehmen würde.

 

Beispiele für weitere Infos zum Thema Eingewöhnung und Emmi Pikler:

 

„Ohne Eltern geht es nicht- Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen“ von Hans-Joachim Laewen; Beate Andersen; Éva Hédervári

 

„Anfang gut? Alles Besser! – Ein Modell für die Eingewöhnung in Kinderkrippen und anderen Tageseinrichtungen für Kinder“ von Anna Winner; Elisabeth Erndt-Doll

 

„Die ersten Tage – Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege“ von  Hans-Joachim Laewen; Beate Andersen; Éva Hédervári

 

"Friedliche Babys – zufriedene Mutter: Pädagogische Ratschläge einer Kinderärztin“ von Emmi Pikler

 

„Miteinander vertraut werden: Erfahrungen und Gedanken zur Pflege von Säuglingen und Kleinkindern“ von Emmi Pikler und Anna Tardos

 

Nun aber (endlich) wieder zurück zum eigentlichen Thema J… Am wichtigsten ist es, mit den pädagogischen Fachkräften im guten Austausch zu bleiben.

 

Welches Stoffwindelsystem ist in der Krippe geeignet?

 

Grundsätzlich ist jedes Stoffwindelsystem auch in der Krippe möglich. Ich finde jedoch, dass man den Erzieherinnen und Erziehern die Möglichkeit bieten sollte, verschiedene Systeme auszuprobieren. Somit haben sie die Möglichkeit, selbst feststellen zu können, welches System für Sie und damit für den Alltag in einer Einrichtung am besten geeignet ist.

 

Neben dem Aspekt, dass das pädagogische Fachpersonal gut mit dem Stoffwindelsystem klarkommen muss, spielen natürlich auch weitere Punkte eine wichtige Rolle. Einer der wichtigsten Punkte für die Wahl des Stoffwindelsystems in der Kita ist eine hohe Saugkraft. Die pädagogischen Fachkräfte dürfen nicht aufgrund einer fehlenden Saugkraft dazu gezwungen werden, ein Kind öfter wickeln zu müssen. Ein weiterer, recht wichtiger Punkt ist natürlich, dass die Windeln relativ schnell bzw. einfach angelegt werden können. Was nicht heißt, dass nicht auch Strickbindewindeln  in der Krippe möglich sind. Aber je aufwendiger (gerade am Anfang, wenn man vielleicht noch nie eine Stoffwindel in der Hand hatte) ein System ist, um so größer könnte doch die Gefahr sein, dass ich dem pädagogischen Fachpersonal die Freude an den Stoffis nehme. Was natürlich nicht die Intention von Stoffi Eltern ist!!

Ich habe für meinen Zwerg Strickbindewindeln mit Einlagen und Überhosen; Höschenwindeln und Prefolds mit Überhosen zur Eingewöhnung mitgenommen. Zu Hause nutzen wir fast ausschließlich Strickbindewindeln mit Einlagen und Wollschlupf Überhosen. Für die Krippe haben wir aber bewusst PUL und keine Wollschlupf Überhosen ausgewählt, da ich für eine Einrichtung die Wollschlupf Überhosen doch zu umständlich fand (Wollschlupf sollten immer im Wechsel genutzt werden. Eine ist am Po, die andere darf auslüften J - stellte ich mir in der praktischen Umsetzung etwas schwierig vor, denn wo könnte die Hose denn hängen, ohne im Weg zu sein?)

 

Prefolds, Höschenwindeln, Überhosen, Strickbindewindeln, Wollschlupf, PUL, Einlagen…ich an Eurer Stelle hätte (aller)spätestens an dieser Stelle das „x“ betätigen und den Artikel weg geklickt. Denn solltet Ihr (noch) keine Stoffwindeln verwenden bzw. kennen, kann es gut sein, dass Ihr denkt: „BAHNHOF BAHNHOF BAHNHOF…“. So ging es mir als Lupfmi „noch mit den Mucken flog“ (wie man bei uns so schön sagt). Es steht schon auf meiner To-Do-Liste (ja, ich bin ein Listenschreiber) in einem späteren Artikel Euch die verschiedenen Stoffwindelsysteme vorzustellen.

 

Aber wieder zurück zum eigentlichen Thema! Wichtig ist, dass egal auf welche Wahl die Entscheidung gefallen ist, Ihr die Stoffwindeln zu Hause vorbereitet:

Es sind immer ausreichend vorbereitete Stoffwindeln in der Krippe vorhanden, und alle sind (wenn ihr dies verwendet) mit einem Windelvlies ausgelegt. Weiter sind alle notwendigen Einlagen bereits in die Windel gelegt (bei Bedarf hinter einer Lasche, in einer Tasche oder eingesnapt). Meiner Meinung nach kann es nicht von den pädagogischen Fachkräften erwarten werden, diese Aufgabe zu übernehmen.

 

Bei uns viel die Wahl auf Prefolds mit PUL Überhosen.

 

Zubehör

 

Neben den Stoffwindeln ist natürlich ein Wetbag für die benutzten Stoffwindeln unverzichtbar. Wie oft Ihr diesen mit nach Hause nehmt müsst Ihr mit den Erzieherinnen und Erziehern besprechen. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser immer freitags mit nach Hause genommen wird, oder Ihr diesen mehrmals in der Woche (ggf. täglich) mit nach Hause zum waschen nehmt. Häufig ist das Raumangebot in den Kindertagesstätten begrenzt, dass es vielleicht sinnvoller ist, den Wetbag täglich mit zu nehmen.

 

Eins, zwei, viele Stoffwindeln -Wieviele Stoffwindeln werden in der Krippe benötigt?

 

Nun stellt sich die Frage, wie viele Windeln für die Krippe benötigt werden. Wenn man einen Blick auf den Tagesablauf einer Krippe wirft, kann festgestellt werden, dass es in der Regel zwei „Wickelrunden“  gibt. Eine vor dem Mittagessen so etwa um 11 Uhr und die zweite nach dem Mittagschlaf, etwa um 14.30 Uhr. Natürlich ist dies von Einrichtung zu Einrichtung etwas variabel. Somit sollten mindestens zwei Windeln mit in die Krippe. Aber da natürlich auch nach Bedarf gewickelt wird, empfehle ich Euch, noch etwa zwei Notfallwindeln mit zu geben. Also dass Ihr immer vier Windeln in der Krippe habt. Somit benötigt Ihr für eine Woche 20 Krippentaugliche Windeln. Da Ihr wahrscheinlich unter der Woche noch mindestens einmal die Windeln wascht, ist diese Anzahl recht großzügig berechnet. Wenn ich nun am Dienstagabend die vier (oder weniger) Windeln vom Montag und die vier (oder weniger) Windeln vom Dienstag wasche, bleibt der Mittwoch als Trockentag und die Windeln stehen für Donnerstag und Freitag wieder zur Verfügung. Somit Sind 12 Kita Windeln mehr als ausreichend. Natürlich lasse ich meine Waschmaschine nicht wegen acht Windeln laufen. Neben den Kita Windeln gibt es ja auch noch alle anderen Windeln die zu Hause gesammelt wurden.

 

Feuchttücher aus Stoff

 

Vielleicht möchtet Ihr auch in der Krippe nur selbstgemachte Feuchttücher für Euer Kind nutzen? Dann solltet Ihr auch hier schauen, dass Ihr täglich Feuchttücher zur Verfügung stellt. Wenn Ihr nicht jeden Tag feuchte Tücher vorbereiten wollt, könnte folgendes Vorgehen vielleicht eine Möglichkeit für Euch darstellen:

Da es bei kleinem Geschäft auf jeden Fall ausreicht, nur einen mit Wasser angefeuchteten Lappen zu verwenden, könntet Ihr z.B. trockene Waschlappen mit geben, die dann in der Einrichtung nass gemacht werden. Für das große Geschäft könntet Ihr die selbst hergestellt Reinigungsflüssigkeit in einem kleinen (Glas) Gefäß mitgeben. Diese ist ja ziemlich lang haltbar (bereits angefeuchtete Waschlappen solltet Ihr jedoch spätestens am zweiten Tag nicht mehr verwenden). Dann können die Erzieher und Erzieherinnen die trockenen Waschlappen bei Bedarf selbst damit nass machen. Hilfreich kann hier vielleicht eine entsprechend große Dose (mit Deckel) sein, in welcher mehrere Waschlappen Platz haben. Somit können die Fachkräfte die Flüssigkeit einfach auf die Waschlappen geben. Sollten nicht alle angefeuchteten Waschlappen benötigt werden, wird danach einfach der Deckel drauf gepackt. Die Waschlappen können nach Bedarf einfach mit in den Wetbag. Bald (je nach Zeit, dauert das bald noch etwas länger) könnt Ihr auf meinem BLOG genaueres zum Thema selbstgemachte Feuchttücher lesen!

 

Das wars an dieser Stelle von mir zum Thema Stoffwindeln in der Krippe. Ich hoffe mein Artikel hat Euch gefallen. Über Fragen, Ideen und natürlich Eure Erfahrungen mit Stoffis in der Krippe (Kita oder Tagesmutter) freue ich mich sehr! Lasst gerne einen Kommentar da!

 

Ihr fragt Euch vielleicht was das pädagogische Fachpersonal selbst zum Thema Stoffis in der Krippe sagt? Ich habe mich für Euch (in meiner Umgebung) umgehört, mit vielen verschiedenen Leuten gesprochen und einen Fragebogen für pädagogische Einrichtungen erstellt. All meine Erkenntnisse berichte ich Euch gerne in meinem nächsten BLOG Artikel „Stoffwindeln in der Krippe – was sagen die Profis“

 

 

 

 

 Die Bilder sind von www.pixabay.de abgerufen am 22.10.2017 um 16.00 Uhr

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